Selten hat ein Begriff so schnell eine solche Karriere hingelegt. Aber nicht alles, was das Etikett Nachhaltigkeit trägt, achtet die Interessen künftiger Generationen. Die EU-Kommission verwendet den Begriff wie es gerade passt, schreibt MBauchmueller
Mit Atomenergie und Gaskraftwerken hatte Hans Carl von Carlowitz gewiss nichts im Sinn. Und es war auch nicht überbordende Liebe zur Natur, die ihn im Jahr 1713 zum Erfinder der Nachhaltigkeit machte. Carlowitz, Oberberghauptmann im sächsischen Freiberg, hatte schlicht Angst um die Ressource Holz im Erzgebirge: ohne Holz kein Erz.
1987 fasste eine Kommission der Vereinten Nationen den Nachhaltigkeitsbegriff neu."Nachhaltige Entwicklung", so formulierte das Expertengremium unter dem Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland,"ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dadurch die Fähigkeit künftiger Generationen einzuschränken, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
So dehnt auch die EU-Kommission den Begriff"nachhaltig", wie es gerade passt. Bei der Atomenergie entstehen zwar weniger klimaschädliche Emissionen. Aber es gäbe reichlich Szenarien, die den Spielraum künftiger Generationen beschränken. Ein schwerer Atomunfall etwa, der Landstriche unbewohnbar macht. Die Suche nach einem Endlager, die so gut wie nirgendwo auch nur annähernd abgeschlossen ist, und irgendwann sein Betrieb.
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