Eine Triage abzuwenden, sollte Konsens sein in Deutschland. Politik und Gesellschaft haben diese Aufgabe lange ignoriert. Nun soll ein Gesetz Schwache schützen.
Triage – ein furchtbares Szenario. Es mit aller Kraft zu vermeiden, sollte Konsens sein in einer Gesellschaft, deren Organisation einmal nach dem Solidarprinzip konstruiert wurde: Bürger tragen nicht allein für sich die Verantwortung, eine Gemeinschaft unterstützt sie bei Bedarf, unabhängig vom Impfstatus der Betroffenen, ungeachtet einer möglichen Nikotinabhängigkeit, einer Neigung zu Alkoholmissbrauch oder Extremsport, egal welches Risiko sie eingegangen sind.
Anders jedenfalls lässt es sich nicht erklären, dass Warnungen vor einer pandemischen Notlage ungehört blieben: Bereits 2013 hatten Wissenschaftler im Auftrag des Robert-Koch-Instituts das Szenario einer solchen Krise entworfen. Modi-Sars hatten sie den Erreger genannt. Die Simulation basierte auf Erfahrungen mit Influenza, HIV, Sars-CoV und der Vogelgrippe H5N. Sie ging von 7,5 Millionen Toten aus.
Sieben Jahre später wurde die fiktive Versuchsanordnung bittere Realität, wenn auch zum Glück die Sterblichkeit bei Sars-Cov-2 nicht annähernd so hoch zu werden droht, wie bei Modi-Sars angenommen. Sonst jedoch trat die Vorhersage haargenau ein. Es bewahrheitete sich, dass Politik, Wirtschaft, Medizin und Gesellschaft beim Kampf gegen die Krise nur eingeschränkt handlungsfähig sind – weil das Szenario von 2013 keine Konsequenzen nach sich zog.
Eine Art Ur-Triage fand damals statt, Risiken wurden abgewogen, keine medizinischen allerdings, sondern ökonomische. Der finanzielle Aufwand, sich für eine Pandemie in dem Ausmaß der Prognose zu wappnen, stand gegen den Drang zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Für die nötigen Investitionen in Krankenhäuser wollten die zuständigen Bundesländer nicht aufkommen.
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