In Kanada bittet Papst Franziskus Indigene erstmals in deren Heimat um Verzeihung für früheres Unrecht. Hinter manchen Erwartungen bleibt er zurück.
CALGARY taz | Als Chief Marie-Anne Day Walker-Pelletier vor ein paar Monaten in Rom den Papst besuchte, brachte sie ihm aus Kanada zwei Paar kleine Kinderschuhe mit. Die handgefertigten Mokassins aus Leder sollten Franziskus stets daran erinnern, dass in den berüchtigten „Residential Schools“ in Kanada unter der Aufsicht der Kirche viele indigene Kinder starben und nie zu ihren Familien zurückkehrten.
Die Übergabe der Schuhe war der emotionale Höhepunkt eines Tages, an dem der Papst deutlichere Worte wählte als bislang zu diesem Thema. „Ich bitte um Verzeihung für die Art und Weise, in der leider viele Christen die Mentalität der Kolonialisierung unterstützt haben“, sagte er in der kreisrunden Arena von Maskwacis nahe Edmonton, in der sich rund 2.000 Ureinwohner aus allen Teilen Kanadas versammelt hatten.
„Ich bitte um Vergebung für das Böse, das so viele Christen indigenen Menschen angetan haben“, schloss Franziskus unter Applaus, bevor er einen traditionellen Federschmuck übergestülpt bekam und als Ehrenmitglied in die Stämme von Maskwacis aufgenommen wurde. Begleitet wurde die Veranstaltung von traditionellen Trommelgesängen, die in vielen indigenen Gemeinschaften den Herzschlag symbolisieren und heute für die Vitalität indigener Kultur stehen.
Nur wenige Schritte von der Arena von Maskwacis entfernt befand sich lange eine der größten derartigen Schulen in Kanada: Die „Ermineskin Indian Residential School“ war zwischen 1916 und 1975 in Betrieb, wurde mittlerweile aber abgerissen. Heute haben die Ureinwohner dort auf einer grünen Wiese fünf Tipi-Zelte aufgebaut, unweit wurden auf einem Friedhof wohl auch Internatskinder begraben.
Der Papst hat den Begriff des „kulturellen Genozid“ vermieden „Nachdem ich den Papst gehört habe, bin ich überzeugt, dass wir gemeinsam bei der Versöhnung vorangehen können“, meinte hinterher Häuptling George Archand von der Alexander First Nation in Alberta. „Die Entschuldigung war aufrecht. Ich akzeptiere sie und bin bereit, zu vergeben“, sagte Andre Tautu aus Chesterfield Inlet dem Sender CBC.
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