Desmond Tutu inspiriert Südafrika bis heute: er stritt erst gegen Apartheid, dann für ein gerechteres Land. Ein persönlicher Rück- und Ausblick von Lutz van Dijk. DesmondTutu
KAPSTADT taz | Kapstadt, Mai 1997. Der große Saal ist bis auf den letzten Platz mit Schulklassen gefüllt. Unter dem Vorsitz von Erzbischof Tutu kommen hier erstmals Jugendliche vor Südafrikas Wahrheitskommission zu Wort, die zur Zeit der Apartheid Unrecht erlitten hatten. Vuyani M. ist einer von ihnen, mit 14 Jahren traf ihn die Kugel eines Polizisten am Kopf und er erblindete.
Zur Zeit der Apartheid waren 60 Prozent der Todesopfer von politischer Gewalt jünger als 25 Jahre, etwa 100.000 Jugendliche saßen im Gefängnis. Südafrikas Wahrheitskommission, unter Tutus Vorsitz ab 1996, gab ihnen Achtung und Würde. Und es ging nicht nur um die Opfer, sondern auch um die Täter.
Seit dem frühen Morgen halten an jenem 1. Dezember 2002 junge Leute Ausschau an der Einfahrt zum Township. Alle erwarten ein edles Auto mit Polizeibegleitung auf Motorrädern. Nichts davon. Am Ende wird sein einfacher Mittelklassewagen beinah übersehen. Ein kleines Mädchen erkennt ihn neben seinem Fahrer und ruft aufgeregt: „Tata Tutu!“ Dann rennen alle hinter dem Auto her, bis er vor unserem Kinderhaush hält.
Zu seinen Geburtstagsfeiern in der Westkap-Universität gingen wir jedes Jahr am 7. Oktober. Einmal lief ein Mädchen zu ihm in die erste Reihe, einfach um ihm die Hand zu schütteln. „Wissen Sie noch, woher ich komme?“, fragt sie und antwortet aufgeregt selbst: „Aus Masi!“ „Na klar, schöner Name!“, antwortete Tutu und umarmte sie.
Bei einem Besuch vor seiner St. George's Kathedrale erinnert sich die bekannte Fernsehjournalistin Ayesha Ismail, wie früher Desmond Tutu ihr und ihren Kolleg*innen Schutz bot in seiner Kirche und sich vor verfolgende Soldaten stellte. Täglich läuten die Glocken seiner Kathedrale Nun leuchtet in Kapstadt der Tafelberg sowie das Rathaus jeden Abend im Violett seiner Bischofsrobe. Täglich läuten mittags die Glocken seiner ehemaligen Kathedrale. In der Innenstadt bleiben dann viele Menschen stehen und falten die Hände.Am 30 und 31. Dezember wird sein Leichnam in seiner Kathedrale aufgebahrt, die offizielle Trauerfeier am Neujahrstag wird der heutige Erzbischof Thabo Makgoba leiten.
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